Reliabilität von Messungen und Tests

von | Nov 14, 2022 | Gütekriterien, Testgüte

1 Reliabilität von Messungen und Tests

Reliabilität (auch: Zuverlässigkeit oder Präzision) einer Messung bzw. Tests bedeutet, dass keine oder nur geringe Messfehler existieren und somit ein/e zuverlässige bzw. möglichst zufallsbefreite Messung/Test gegeben sind (Churchill (1979), S. 65).

Mangelnde Objektivität führt zu Messfehlern. Objektivität ist deshalb eine Voraussetzung von Reliabilität (Döring, Bortz (2016), S. 443).

Reliabilität lässt sich in Retest-Reliabilität (Testwiederholungsreliabilität), Paralleltest-Reliabilität (Äquivalenz), Testhalbierungs-Reliabilität (Split-half-Reliabilität) und Interne Konsistenz unterteilen.

 

2 Retest-Reliabilität

Retest-Reliabilität bzw. Testwiederholungsreliabilität beschreibt die Stabilität eines Tests bei mehrfacher Durchführung. Hierzu wird derselbe Test bzw. dieselbe Messung an derselben Person zu einem anderen Zeitpunkt erneut durchgeführt.
Die Korrelation dieser beiden Testergebnisse bzw. Messungen ist im Idealfall sehr hoch, wenn Retest-Reliabilität vorliegt. Allerdings ist zu beachten, dass die Zeit zwischen den Messungen reliabilitätsverändernde Einflüsse haben kann. Zum Beispiel liegen Übungs- und/oder Erinnerungseffekte vor oder das zu messende Merkmal ändert sich tatsächlich (Döring, Bortz (2016), S. 444).

 

3 Paralleltest-Reliabilität

Paralleltest-Reliabilität beschreibt die Äquivalenz zweier Messergebnisse mit inhaltsähnlichen Tests. Hierzu werden zwei verschiedene Messmethoden oder Testverfahren durchgeführt, die inhaltlich dasselbe messen. Auch hier sollte die Korrelation der beiden Messungen bzw. Testergebnisse sehr hoch sein.

 

4 Testhalbierungs-Reliabilität

Testhalbierungs-Reliabilität beschreibt eine hohe Korrelation von zwei Testhälften (split-half) des zu messenden Konstrukts bzw. Tests. Hierzu wird eine Halbierung der Messung bzw. der Anzahl der zu messenden Items vorgenommen und diese beiden miteinander korreliert. Eine Korrektur aufgrund der Halbierung der Testlänge muss hier jedoch durchgeführt werden. Dazu wird die Spearman-Brown-Korrektur genutzt (Moosbrugger, H., Kelava, A. (2011), S. 12-13).

 

5 Interne Konsistenz

Interne Konsistenz beschreibt eine hohe positive Korrelation jedes Testitems mit allen anderen Testitems des zu messenden Konstrukts bzw. Tests. Dies ist eine allgemeinere Vorgehensweise als die Testhalbierungs-Reliabilität und wird häufig mit “Cronbachs Alpha” berechnet (Moosbrugger, H., Kelava, A. (2011), S. 13).
Berechnung von Cronbachs Alpha (SPSS, R).

Hinweis: Mitunter wird in jüngerer Literatur die Bezeichnung tau-äquivalente Reliabilität für Cronbachs Alpha verwendet (vgl. Cho (2016), S. 9).

 

6 Literatur

  • Bortz, J., Döring, N. (2016). Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften. Deutschland: Springer Berlin Heidelberg.
  • Cho, E. (2016). Making Reliability Reliable: A Systematic Approach to Reliability Coefficients. Organizational Research Methods, 19(4), 651–682. https://doi.org/10.1177/1094428116656239
  • Churchill, G. A. (1979): A Paradigm for Developing Better Measures of Marketing Constructs. In: Journal of Marketing Research 16 (1), S. 64-73.
  • Moosbrugger, H., Kelava, A. (2011). Testtheorie und Fragebogenkonstruktion. Deutschland: Springer Berlin Heidelberg.

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