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Explorative Faktorenanalyse in SPSS

1 Einleitung: Was ist eine Explorative Faktorenanalyse (EFA)?

Das Ziel einer EFA ist, aus vielen Einzelitems übergeordnete Dimensionen – sogenannte Faktoren – zu identifizieren. Es wird auch als Verfahren zur Dimensionsreduktion verwendet bzw. bezeichnet.
Eine EFA dient also zur Reduktion von Daten, ist aber immer noch ein exploratives Vorgehen und keinesfalls mit einer konfirmatorischen Faktorenanalyse (kurz: KFA) gleichzusetzen.

Ein typisches Beispiel einer EFA: Ich habe 11 Items zur Kundenzufriedenheit.

  1. Das Produkt/Die Dienstleistung erfüllt meine Erwartungen in vollem Umfang.
  2. Die Qualität des Produkts/der Dienstleistung ist ausgezeichnet.
  3. Das Produkt/Die Dienstleistung ist sehr zuverlässig.
  4. Ich bin mit der Funktionalität des Produkts/der Dienstleistung sehr zufrieden.
  5. Der Kundenservice ist sehr freundlich und hilfsbereit.
  6. Meine Anfragen wurden schnell und effizient bearbeitet.
  7. Die Mitarbeiter des Kundenservice sind sehr kompetent.
  8. Probleme wurden zu meiner vollsten Zufriedenheit gelöst.
  9. Der Preis des Produkts/der Dienstleistung ist angemessen.
  10. Ich habe das Gefühl, einen guten Wert für mein Geld erhalten zu haben.
  11. Das Produkt/Die Dienstleistung ist jeden Cent wert.

Alle Fragen wurden auf einer 5-stufigen Skala beantwortet (von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll zu“) von 180 Befragten beantwortet.
Statt jeden Aspekt einzeln zu betrachten, möchte man wissen, ob es dahinter vielleicht nur 2 oder 3 übergeordnete Dimensionen, wie z. B. „Produkt-/Dienstleistungsqualität“, „Service- und Supportqualität“ oder “Preis-Leistungsverhältnis”?

 

2 Durchführung einer explorativen Faktorenanalyse in SPSS

Über das Menü: Analysieren > Dimensionsreduktion > Faktorenanalyse
Hier werden alle Items der zu prüfenden Skala in das Feld “Variablen” geschoben.

 

2.1 Deskriptive Statistiken und Eignungstests

Beim Button „Deskriptive Statistik“ werden zusätzlich “Koeffizienten”, “Signifikanzniveau”, Invers und KMO und Bartlett-Test angefordert.

Die Korrelationen geben uns nachher einen ersten Eindruck über die Eignung der Items im Rahmen einer EFA.
Der KMO-Wert (Kaiser-Meyer-Olkin) geht einen Schritt weiter und sagt uns in einer Zahl, abgestuft, etwas zur Eignung. Der Bartlett-Test tut an sich dasselbe, weswegn beides über nur einen Button angefordert wird.

 

2.2 Extraktionsmethoden

Einer, wenn nicht sogar DER wichtigste Button ist „Extraktion“.

Es gibt verschiedene Methoden: im wesentlichen werden nur A) Hauptkomponenten und B) Hauptachsen-Faktorisierung verwendet.
Beide führen typischerweise zu qualitativ ähnlichen Ergebnissen. Dennoch kurz zu den Unterschieden:

Ohne jetzt zu sehr ins Detail der Messtheorie zu gehen, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Hauptkomponentenanalyse im engeren Sinne eigentlich gar keine Faktorenanalyse ist, da letzteres zur Aufdeckung latenter Strukturen dient und nicht rein zur Datenreduktion. Anders formuliert: die Hauptkomponentenanalyase reduziert Daten und fasst alle vorhandenen Informationen zusammen und irgnoriert dabei „Fehler“ in den Daten. Die Faktorenanalyse (also hier die Hauptachsenanalyse) hingegen berücksichtigt Fehler, also Rauschen, was nicht ursächlich für die Zusammenhänge in den Daten ist (vgl. Field (2018) 788-789).

 

Ich wähle in meinem Beispiel Hauptachsenanalyse, weil die Skala latente Faktoren („Produkt-/Dienstleistungsqualität“, „Service- und Supportqualität“ oder “Preis-Leistungsverhältnis”) darstellt.


 

Nach der Wahl der Extraktionsmethode geht es weitern bei den Einstellungen: Screeplot aktivieren – dieser ist eine visuelle Hilfe zur Identifikation der optimalen Anzahl an Faktoren.

Bei Extrahieren bleibt “Basierend auf Eigenwert” angehakt und größer 1 – das ist ein typischer Ausgangspunkt. Sollte man im Vorfeld wissen, wie viele Faktoren extrahiert werden sollen, kann dies hier auch angegeben werden.

Für mein Beispiel belasse ich das Eigenwertkriterium von 1 zur Faktorextraktion.

 

2.3 Rotationsmethoden

Als nächstes geht es zum Button „Rotation“.

Auch hier ist es wichtig, die richtige Rotationsmethode zu wählen. Grundlegend gibt es orthogonale und oblique Rotation.

Die Entscheidung hängt hier von der (angenommenen) Korrelation der Faktoren ab. Orthogonale Rotation nimmt keine Korrelation zwischen den Faktoren an. Anders ausgedrückt: die Items laden auf einen Faktor maximal, auf andere möglichst minimal.

Bei obliquer Rotation wird davon ausgegangen, dass die Faktoren korrelieren (dürfen) – was bei einer darüber liegenden Skala zu erwarten ist.

Im Beispiel ist es eher wahrscheinlich, dass die Faktoren Produkt-/Dienstleistungsqualität“, „Service- und Supportqualität“ und “Preis-Leistungsverhältnis” korrelieren werden. Ich wähle also hier oblique Rotation, oblimin.

Die Interpretation der Ergebnisse ist bis auf wenige Ausnahmen von der Art der Rotation unabhängig.

 

2.4 Ausblenden kleiner Ladungen

Schließlich noch kurz zum Button „Optionen“.

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